Die Stadtautobahn A100 ist mit der A3 bei Köln die am stärksten befahrene Autobahn Deutschlands, meldet das
Handelsblatt vom 9. Januar 2012. Was das hohe Verkehrsaufkommen rund um Funkturm und Avus für die Qualität der Luft im angrenzenden Wohngebiet Eichkamp bis zur Siedlung Heerstraße bedeutet, hat kürzlich Dr. Eberhard Reimer vom
Meteorologischen Institut der Freien Universität bei einem Treffen der Bürgerinitiative „Zwischen den Gleisen“ bei einem Vortrag dargelegt. Folgend einige Zitate über Daten und Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Bedeutung des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofs Grunewald, das nach Einschätzung des Klimaexperten offen gehalten werden muss:
„Lärm: (…) Laut Umweltinfosystem und Umweltatlas der Senatsverwaltung von Berlin liegt die mittlere Lärmbelastung weiterhin mit im obersten Bereich im Berliner Stadtgebiet.
Luftbelastung: Bei den Luftbeimengungen Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2), die beide mit Grenzwertvorgaben der EU mitteilungspflichtig sind, ergeben sich laut dem Luftreinhalteplan Berlins erhebliche Belastungen aus dem Verkehr. (…)
Klima: Durch die Avus, Stadtautobahn und Bahn besteht heute eine großflächige Trennung zwischen dem Charlottenburger Innenbereich und dem grünen Westend/Grunewald. Daraus ergibt sich ein Wert des gesamten Bahngeländes im Zusammenhang mit der Belüftung und Kaltluftproduktion im westlichen Bereich der Charlottenburger Innenstadt. Im Klimaatlas Berlins und in relevanten Studien wird der Bahnbereich als Frischluftschneise zur Innenstadt aufgeführt, wobei das Areal mit Kleingärten entlang der Avus und um Westkreuz und mit allen offenen Flächen des Bahngeländes als besonders wichtig angesehen wird. Es wird eine hohe Bebauung als nicht sinnvoll angesehen.
Freiraum und Gesundheit: In der westlichen Innenstadt Charlottenburgs ergeben sich durch die kompakte, recht enge Bebauung Wärmeinseleffekte, die im Sommer zur Gefahr für Gesundheit und Leben führen. Auch in diesem Zusammenhang ist die weitere Offenhaltung des Bahngeländes im Umweltinfosystem Berlin und in der Projekt-Kooperation „Umweltgerechtigkeit“ der Senatsverwaltung Berlins als sinnvoll erkannt, da vom Grunewald, über das Bahngelände, die Gärten und den Lietzenseebereich mit der Hauptanströmrichtung die Frischluftzufuhr gewährleistet wird. Die gesamte Umweltbelastung der Bewohner ist im Übergangsbereich zur Innenstadt hoch, so dass der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf generell die Festigung und Erweiterung der Frei- und Erholungsflächen vorsieht.“
(Der ausführliche Text des Vortrags des Nachbarn aus der Siedlung Heerstraße und Meteorologen Eberhard Reimer wird in den nächsten Ausgaben des Eichkampinfos und des Jahrbuch 2011 Siedlung Heerstraße veröffentlicht.)
Für die Bürgerinitiative sind diese Daten über die negativen und gesundheitsgefährdenden Wirkungen der Verkehrsbelastung im Bereich Funkturm Dreieck die zentrale Begründung, das von Möbel Höffner geplante Einkaufszentrum mit erhöhtem Autoverkehr abzulehnen.
BlogNachbarn - 26. Jan, 22:45